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Ah … In letzter Zeit ist es bei uns recht betriebsam geworden, nicht?
Oh ja! Die Zahl unserer Mitglieder ist ja auch jäh angestiegen!
Chef? Bekümmert Sie etwas?
Unsere Leute haben ihre Fähigkeiten markant verbessert, das steht fest.
Das Problem ist eher …
Und hopp …
Erzähl keinen Stuss.
Und wenn du es wagst, zu sterben, spring ich über den Fluss der Toten und hol dich zurück!
… dass meine Fähigkeiten nachgelassen haben.
Ja, Chef?
Was ist das Problem?
Ah … Nur, dass vom Herbst bis in den Winter auch die Zahl der Brände zunehmen wird.
Ja. Bis dahin müssen wir unsere Formation vervollständigt haben.
Wir brauchen wohl oder übel einen Windleser.
Oedo Fire Slayer: The Legend of Phoenix
Soba
Ah, köstlich! Dieses Haus hat den Sekiwake- Rang auf der Soba-Rangliste redlich verdient!
Auch ihr weibliches Aushängeschild scheint ein gutherziges, nettes Mädchen zu sein.
Verzeihung! Kann ich Nachschlag bekommen?
Das ging aber schnell!
Ihr seid unverbesserlich.
Vergesst nicht, das wir beim Essen eigentlich über unseren Windleser sprechen wollten.
Das ist uns schon klar.
Aber Chef,
ist es denn wirklich so einfach, einen Windleser zu finden?
Wenn man ihn auf die übliche Weise suchen würde, wäre es das gewiss nicht.
Aber Ihr sagtet, Ihr hättet da eine Idee?
Ja. Und zwar den Windleser aus meiner Zeit im regulären Feuerwehrtrupp von Iida.
Sein Name klingt allerdings nicht ganz geheuer.
Ich nannte ihn aber immer nur „Väterchen“ …
Ein nicht ganz geheurer Name, sagen Sie?
Er heißt Magoichi Kaji.
Was, „Brand“?!
Ein unglücksverheißender Name für einen Feuerwehrmann.
In der Tat.
Doch meines Wissens war er als Windleser absolut unfehlbar.
Er hat den Wind kein einziges Mal falsch gelesen.
Aber wenn er so gut ist, ist er doch gewiss auch heute noch Mitglied der regulären Feuerwehr?
Nein. Väterchen hat den Dienst als Feuerwehrmann noch vor mir aufgegeben.
Den Dienst aufgeben?
Ich hätte gern auch weiterhin hier unter dir als Chef gedient.
Doch es hat sich leider etwas ergeben, das ich erledigen sollte.
Was genau es war, das er erledigen musste, hat er mir bis zum Schluss nie erzählt.
Aber das ist nun sieben Jahre her.
Mittlerweile sollte er es bestimmt abgeschlossen haben.
Wissen Sie denn, wo sich dieser Magoichi heute aufhält?
Nein. Ich habe Samon gebeten, nachzuforschen, was aus ihm geworden ist, aber …
Sag, Fräulein …
Eure Soba schmeckt wirklich köstlich. Steckt da irgendein Geheimnis dahinter?
Ein Geheimnis ist es eigentlich nicht.
Aber wir verwenden Buchweizen aus Shinano.
Den lagern wir im feuersicheren Lagerhaus hinter dem Haus, wo er sich sehr gut hält.
Oh, wirklich? Ist das denn ungewöhnlich, verglichen mit den anderen Soba-Lokalen …
Herzlich willkommen!
Sind Sie alleine?
Ja.
Ich bitte um Verzeihung, Ehrwürdiger,
aber gerade sind all unsere Plätze belegt.
Wären Sie so freundlich, sich einen Augenblick zu gedulden?
Ist der Platz dort hinten nicht noch frei?
N-Nun …
Es tut uns furchtbar leid, Ehrwürdiger.
Osuzu!
Doch den Platz haben wir für die Herrschaften von Kagiya …
Das heißt: Wir erwarten dort gleich mehrere Stammgäste.
Wie bitte?
Ehrwürdiger!
Wir werden gleich fertig sein mit Essen. Sei doch so nett und warte einen Moment.
Du …
Wenn man sie nicht mit Genuss verzehrte, wäre das doch schade um die guten Nudeln.
Ob das die rechte Zeit ist, Soba zu schlürfen?
Ich danke Euch von Herzen.
Schon gut.
Aber … Osuzu ist dein Name, richtig? Du hast gerade große Kühnheit gezeigt.
Die Frau Wirtin hat mich wie eine Tochter bei sich aufgenommen.
Ich verdanke ihr alles. Das versteht sich also von selbst.
Verstehe. Ich finde es bewundernswert.
Bitte entschuldigt die Umstände.
Die Herrschaften von Kagiya sind Stammkunden.
Aber da ihre Manieren ab und zu nicht die besten sind, haben sie einen schlechten Ruf …
Das macht es für Sie sicher nicht einfach …
Vielen Dank für Euren Besuch!
Soba
Soba
Aber in letzter Zeit laufen hier in Edo wirklich immer mehr seltsame Kerle herum.
Du selbst bist doch auch reichlich seltsam.
In der Situation einfach ungerührt weiterzuschnabulieren …
Na ja, das zeigt eben, wie köstlich die Nudeln geschmeckt haben …
Was werden Sie jetzt tun, Chef?
Ich werde Samon fragen, ob er schon etwas über Väterchens Verbleib erfahren hat.
Soba
Geht ihr schon mal zurück.
In Ordnung.
Väterchen!
Oh, Chef! Was ist denn los?
Du hast den Wind auch heute perfekt gelesen, sodass es keinen einzigen Verletzten gab.
Da kann man doch mal einen drauf heben. Nennen wir es Mondschein-Sake.
Da ist etwas, das mir schon länger Rätsel aufgibt.
Was denn?
Du bist kein Mensch, den etwas auf dem niedrigen Stand eines Feuerwehrmanns halten würde.
Da überschätzt du mich aber …
Was hat dich dazu bewegt, Feuerwehrmann zu werden?
Kann man den Wind spüren, wenn man immer im Innern des Hauses bleibt?
Kann man dann den Mond bewundern?
Nur wenn ein Mensch hinausgeht, kann er funkeln wie ein Stern.
Verzeih, Väterchen … Aber wie meinst du das?
Gengo!
Das trifft sich gut! Ich habe mich gerade auf den Weg gemacht, dich zu besuchen.
Hast du schon was über Väterchen herausgefunden?
Ja.
Ich habe meine Beziehungen spielen lassen und jemanden gefunden, der Herrn Magoichi kennt.
Oh, wirklich? Wer ist es?
Rengaiken Yamaji.
Einer der Astronomen des Shogunats.
Ein Astronom?
Des Shogunats?
Ich danke Euch, dass Ihr meiner plötzlichen Bitte um ein Treffen …
so rasch entsprochen habt.
Ach, ich hatte doch wohl keinen Grund, eine Bitte abzulehnen,
die vom legendären Feuerfresservogel kam!
Woher kennt Ihr diesen Namen?
Wenn Magoichi Shibukawa von dir gesprochen hat,
tat er dies immer mit großem Vergnügen.
Shibukawa … War sein Familienname denn nicht Kaji?
Ach so, verstehe …
Wo beginne ich wohl am besten? Dies könnte vielleicht etwas länger dauern.
Bitte, nur zu!
Magoichi war ein Sohn
von Hirotada Shibukawa, welcher das der Familie Shibukawa übertragene Amt
des Ersten Astronomen des Shogunats in dritter Generation ausübte.
Doch seine Geburt umgab ein Geheimnis.
Ein Geheimnis um seine Geburt …
Hirotada war zum Studium der Astronomie nach Dejima in Nagasaki gegangen
und dort Magoichis späterer Mutter begegnet.
Mit anderen Worten: Magoichis Mutter war eine Europäerin.
Eine Europäerin …
Seine kantigen, ausgeprägten Züge waren mir natürlich aufgefallen …
Magoichi studierte schon von Kindesbeinen an Astronomie,
doch als uneheliches Kind kam es nicht infrage, dass er Familie und Amt weiterführte.
Im Alter von dreißig Jahren verließ er seine Familie.
Womit beschäftigte er sich, bevor wir uns begegneten?
Er änderte seinen Namen zu „Kaji“ und vertiefte sein Wissen weiter.
Er studierte die europäische Astronomie bis in alle Einzelheiten
und eignete sich ein Wissen an, welches das meine weit übertraf.
Aber wieso sollte jemand wie er Feuerwehrmann werden?
Er pflegte immer zu sagen:
Was für einen Sinn hat die Astronomie, wenn sie das Leben der Menschen nicht berührt?
Man lernt und studiert doch in der Welt
und das Gelernte muss man der Welt auch wieder zurückgeben.
Zurückgeben …
Für ihn bestand dies also darin, den Menschen als Feuerwehrmann von Nutzen zu sein?
Doch dann hat er den Dienst aufgegeben …
Weil ich ihn zu mir gerufen habe.
Ich bat ihn, mich bei der Reform des Kalenders zu unterstützen.
Die Benutzung des alten, ungenauen Kalenders
würde das Volk doch viel unnötigem Leid aussetzen. So drang ich auf ihn ein.
Ach, so war das also!
Was er „erledigen musste“, war die Kalenderreform …
Dann ist er also immer noch damit beschäftigt?
Magoichi ist gestorben. Kurz, nachdem er den Dienst als Feuerwehrmann aufgegeben hatte.
Wie um Himmels willen …
Bei einem Brand.
Es geschah auf einer Reise nach Kyoto.
Am Tag, an dem wir Moriyama,
die letzte Raststation vor Kyoto, erreicht hatten,
brach in einem Haus in der Nachbarschaft unserer Unterkunft
ein Feuer aus.
Die Feuerwehrleute der Raststation,
fest überzeugt, dass der Wind in Ōmi nachts immer von den Bergen her wehe,
gedachten, die Häuser auf der Westseite abzureißen.
Magoichi aber meinte, der anhaltende Regen habe das Wasser des Biwa-Sees abgekühlt,
weshalb der Wind nicht drehen werde. Man solle deshalb die Häuser auf der Ostseite abreißen.
Doch die Feuerwehrleute hörten nicht auf ihn.
Und es kam wie von Magoichi vorhergesagt:
Der vom See her wehende Wind fachte das Feuer an
und im Nu war die Raststation ein Meer von Flammen.
Die Feuerwehrleute, welche die Lage von Beginn an falsch beurteilt hatten, zogen sich zurück.
Magoichi aber rettete weiter Alte, Kinder und Kranke,
die es noch nicht geschafft hatten, zu fliehen.
Und als er hörte, dass noch weitere Menschen hilflos der Rettung harrten, …
Bleib hier!
Auch wir müssen nun fliehen, wenn wir nicht unser Leben riskieren wollen!
Verzeih mir. Als Feuerwehrmann an sich mag ich nicht viel taugen, aber …
Bleib hier, Magoichi!
Magoichi!
Das war das Letzte, was ich von Magoichi sah.
Väterchen ist also nicht mehr am Leben …
Ich danke Euch für diese überaus wertvollen Informationen.
Warte bitte, Matsunaga.
Zum Aufgeben ist es noch zu früh.
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