The first 200 lines.
NACH EINER WAHREN GESCHICHTE
September 1980.
Mein bester Freund Matt und ich haben am selben Tag Geburtstag.
Er hat ein nageneues Bonanza-Rad bekommen.
Das fährt superschnell und sieht so cool aus.
Ich hab einen Zauberwürfel bekommen.
Aber Matt hat mir dieses Tagebuch geschenkt, das er nicht wollte.
Und ich werde jeden Tag etwas reinschreiben.
Die Russen sind seit 363 Tagen in Afghanistan.
"Baggy Trousers" von Madness ist mein Lieblingssong.
Matt, ich kann's kaum erwarten, mit dir nach London zu gehen.
Siehst du, wie viele dort hinfahren? - Ja.
Wer will denn auch bei Luton abfahren?
Komm. - Ja.
Spring rauf.
Sitzt du? - Ja. - Los geht's.
Das ist super, Matt!
Wir sind beste Freunde für immer!
Shirley, gute Arbeit.
7 JAHRE SPÄTER
"Chicken Spezial" nächste Woche. Sehr schön, danke.
Ja, bis dann.
Hier, Javed, mein Junge.
Lebt wohl, Käse und Gurken Mein Sommerjob ist vorbei
Der Kalte Krieg ist voll im Gange Reagan und Thatcher sind noch dran
Aber ich sitze hier in Luton fest Bin einer in der Herde
Ohne Spaß, ohne Freiheit, ohne Zukunft
Denn Luton ist ein Wort mit vier Buchstaben
Sieg Heil!
Matt!
J,
du Blödmann. - Wie war Ibiza?
Der Hammer. Ich hab Emma kennengelernt.
Sie ist aus St. Albans, verkauft Schallplatten bei HMV.
Alles klar?
Alles klar.
Hab gerade 'nen Job hinter mir.
Ich schreib dir einen neuen Song, für die Band. Über den Kalten Krieg.
Javed schreibt andauernd. Weißt du, Tagebuch, Gedichte ...
Er hat mal eins über Bo Derek geschrieben und es ihr geschickt.
Ich hab auch einige deiner besten Aufsätze geschrieben. - Ja.
Die Pet Shop Boys sind die Nr. 1 bisher. - Hab ich doch gesagt.
Synthies sind die Zukunft.
Jedenfalls ... Happy Birthday, Mann.
Gab's am Flughafen.
Ist ein Fruchtbarkeitssymbol von den Balearen.
Danke.
Ich dachte, es hilft dir vielleicht, eines Tages ein Mädchen aufzureißen.
Er hat noch nie 'ne Freundin gehabt ... - Echt?
Ist das gegen eure Religion? - Nein.
Danke, Matt.
Bis nachher, Mann. - Bis nachher.
Ihm entgeht was.
Was machen die?
Wie kannst du mit dem befreundet sein?
Keinerlei Schamgefühl.
Ich bin nicht nach Bury Park gezogen, um das zu sehen.
Du solltest ihm sagen, das ist sehr schlecht.
Sehr schlechtes Benehmen, in einer guten Nachbarschaft. - Dad,
er ist Engländer.
Schhh, deine Schwester kommt. Holt die Einkäufe aus dem Wagen.
Matt ist also wieder da, hm?
Und quält mich mit seinem perfekten Leben. - Weiter, mein Sohn!
Wer ist das? - Alles klar?
Was er draufhat, hab ich ihm beigebracht. Jede Masche.
Freut mich, Prinzessin Emma.
Hier, bitte, Liebes. 19 Pfund, 50 Pence.
Morgen früh bringe ich Ihnen noch mal 30 Kleider.
Oh, Sie Glückliche. Sie haben ja 'ne hilfsbereite Familie. So was.
Meine Kinder benehmen sich zu Hause wie im Hotel.
Ich sag Ihnen was: Sie haben was richtig gemacht.
Wiedersehen, Schätzchen. - Wiedersehen.
Hey, Javed.
3. September 1987.
Mein Dad lebt noch im letzten Jahrhundert.
Er behandelt mich, als wäre ich sechs, nicht sechzehn.
Javed, beta , komm! Wir sind bereit für deine Party!
Achtung, er kommt.
Happy Birthday.
Zeit, sich schick zu machen. Du bist kein Kind mehr.
Danke, Cousinchen. - Nicht Cousinchen,
Schwester.
Komm, zünden wir die Kerze an.
Yasmeen, Foto.
Sagt "Cheese"!
Wünsch dir was, beta .
Viel Geld verdienen, ein Mädchen küssen,
aus diesem Drecksnest rauskommen.
Du solltest einen Popsong schreiben.
Wer schreibt Songs über Atomkrieg und Thatcher?
Was du schreibst, ist deprimierend.
Dass du kein Geld hast, du dir nicht "Rocky" ansehen darfst.
Das ist nicht wahr. Ich schreibe über Politik, Reagans Ökonomie. - Javed!
Du hast vier Jahre lang über deinen verfluchten Dad geschimpft,
der dir keinen Acorn Electron mit 32 kB RAM erlaubt hat.
Und 32 kB ROM. - Ich kann doch nicht über dich und deinen Dad singen,
oder?
Zwingt er dich zu den A-Level-Kursen? - Nein, das mache ich für mich.
Ich will aufs College.
Mit einem guten A-Level kann ich auf die Universität.
Das ist der einzige Weg, hier rauszukommen.
Es ist 4 Uhr morgens in New York, 16 Uhr in Tokyo und 9 Uhr in Luton.
Ihr hört Radio LUVIC,
den offiziellen Sender des Luton Oberstufen-Colleges.
Ich bin Colin Hand, die Hand, die den Plattenteller rockt,
mit der ersten Lektion im neuen Jahr und dem Thema: "Lessons in Love".
Erster Tag.
Starte an der Spitze und halte dich dort.
Lerne fleißig, damit du nicht wie ich in einer Fabrik arbeiten musst.
Ja, Dad.
Wenn du erfolgreich sein willst, halte Ausschau nach den Juden.
Mach es wie die Juden. Das sind sehr erfolgreiche Leute.
Das ist ziemlich rassistisch, Dad. - Es ist die Wahrheit.
Oh, hi! - Hi!
Hey! Du bist hier, um zu lernen.
Ich finde beizeiten eine Frau für dich, überlass das mir.
Und vergiss nicht: Halt dich von den Mädchen fern!
Mach's wie die Juden! - Was?
Was war das denn?
Tut mir echt leid. Hab ich sie kaputt gemacht?
Wer ist das? - Der Boss. - Wessen Boss?
Unser aller Boss.
Gut, sind alle da?
Mein Name ist Miss Clay, und ich möchte wissen,
warum ihr hier seid.
Irgendjemand? - Um mein Examen zu bestehen, Miss.
Dank Maggie Thatcher warten, selbst wenn ihr besteht, nur wenige Jobs.
Also, in diesem Kurs geht es darum, herauszufinden,
wo ihr steht. Was ihr denkt.
Die Schriftsteller, die wir dieses Jahr durchnehmen, sind unsterblich,
ihre Themen universell. Shakespeare, Dickens, Woolf.
Wer von euch will ewig leben,
so wie sie?
Wer will Schriftsteller werden?
Miss Clay?
Ja, äh ... - Eliza.
Ist die Aufgabe eines Schriftstellers nicht, etwas zu bewegen?
Die Welt zu verändern?
Ja, das ist ein Anfang. Die Autoren, die ich bewundere, bewegen etwas.
Sie sagen der Welt etwas, das sie hören muss.
Wie war dein Name gleich?
Javed. - Du hast die Hand gehoben und sie dann wieder runtergenommen.
Ähm, Miss Clay,
ich schreibe Gedichte und führe Tagebuch, seit ich ungefähr zehn bin.
Aber das ist nicht so interessant. - Wieso machst du es dann?
Keine Ahnung. Um meine Gedanken festzuhalten, denke ich.
Bei mir zu Hause darf keiner eine Meinung haben außer meinem Dad.
Was hättest du gern? - Chips und Bohnen, bitte.
Hier, bitte, Schätzchen. - Danke.
Nein, danke. Entschuldigung.
Der Laden ist abgefahren.
Das sind die Vereinten Nationen wilder Stämme.
Es gibt Gruftis, eine Salt 'n' Pepa-Crew,
es gibt Wham!-Boys, Bananarama-Girls
und ... dann gibt es Eliza.
Klug, frech, politisch aktiv im Kampf für Nelson Mandelas Freilassung.
Und dann gibt es mich. Ich gehöre zu keinem Stamm.
Hey.
"Bilal ohne Freunde".
Alles klar?
Was schreibst du?
Ach, nichts.
Einen Aufsatz? Jetzt schon?
Bist du 'n Streber, oder was? - Nein.
Ist nur ein Tagebuch.
Also ... erzähl mir von dem Boss.
Bruce ist der direkte Draht zur Wahrheit in dieser beschissenen Welt.
Echt jetzt?
Was weiß der über unsere Welt?
Beschütze die mit deinem Leben, ja?
Dank mir später.
Heute hat mich ein Junge angespuckt
Nachdem er seinen Dreck auf eine Wand geschrieben hatte
Dieses Mal hab ich versucht, nicht wegzurennen
Dieses Mal hab ich versucht, mutig zu sein und erhobenen Hauptes zu sagen
"Ich hab keine Angst, du dummer Clown
Du bist nicht besser als ich Das ist auch meine Heimatstadt"
Wehr dich. Warum rennst du?
Stell dich dem rechtsradikalen NF-Abschaum
Das kannst du doch besser
Wo ist Matt? - Er ist gerade beschäftigt. - Emma!
Warum machst du in dem Aufzug die Tür auf?
Alles in Ordnung, Mann? - Ja.
Äh, hast du meinen Text?
Das wollte ich dir gerade sagen. Ich arbeite dran.
Du kommst doch heute zu meiner Party? - Ja, na klar. - Gut.
Emmas Freundinnen kommen.
Und ich kenne eine, die wäre perfekt für dich.
Sie ist nicht wählerisch. - Wirklich?
Ja. - Danke. Ich verspreche, diesmal komm ich.
Wie oft muss ich es dir sagen? Pakistanis gehen nicht auf Partys.
Ich dachte, ich bin Brite. - Du kennst das Land nicht wie ich.
Weißt du noch, Enoch Powell?
Die werden dich nie akzeptieren, beta . - Matt akzeptiert mich.
Hör auf mich. Du hast großes Glück.
Du wirst immer Pakistani sein, aber niemals Brite.
Okay, wartet. - Schon wieder?
Wartet auf eure Mutter.
Auf drei: Eins, zwei, drei, schiebt!
Okay, und jetzt alle nach hinten!
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