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BEI ANRUF MORD
DIE "QUEEN MARY" LÄUFT HEUTE EIN
Unter den Passagieren der QUEEN MARY,
die heute in Southampton einläuft,
befindet sich auch der amerikanische Krimi-Autor Mark Halliday.
Ich hole dir noch etwas zu trinken.
Mark, bevor Tony kommt,
möchte ich noch etwas aufklären.
Ja, darauf warte ich schon.
Ich habe ihm nichts von uns erzählt.
Das überrascht mich nicht. Das ist ja auch schwer.
Als du heute Morgen angerufen hast, sagte ich nur, dass du Krimis schreibst
und wir uns nur flüchtig kennen.
Das klingt recht schuldbewusst. So etwas würde ich in meinen Krimis nie schreiben.
Ich weiß, es klingt albern, aber wenn du Tony erst einmal kennst,
wirst du verstehen, wieso ich das gesagt habe.
Liebling, ich verstehe schon. Aber das hindert mich nicht daran, dich zu lieben.
So einfach ist das nicht.
- Tony hat sich verändert. - Danke.
Er ist ein ganz anderer Mensch geworden.
- Wirklich? Seit wann denn? - Seit dem Tag, als ich dir Lebewohl sagte.
Nachdem ich deine Wohnung verlassen hatte, kam ich hierher zurück.
Ich setzte mich aufs Sofa und weinte mich aus. Dann schlief ich ein.
Als ich wieder aufwachte, stand Tony im Flur,
mit seinen Koffern und Tennisschlägern.
Er sagte, er wolle das Tennis aufgeben und sich nach einem Beruf umsehen.
- Einfach so? - Einfach so.
Erst habe ich ihm natürlich nicht geglaubt, aber er hat es wirklich ernst gemeint.
Seitdem ist er einfach großartig.
Und dann hast du aufgehört, mir zu schreiben.
Nicht wahr, Margot?
Erinnerst du dich an die Briefe, die du mir geschrieben hast?
Ja, natürlich.
Nachdem ich sie gelesen hatte, habe ich sie verbrannt. Alle außer einen.
Du weißt sicher, welchen ich meine.
Ja, ich denke schon. Was ist damit?
Er wurde mir gestohlen.
Tony und ich wollten das Wochenende mit Freunden auf dem Land verbringen.
Am Bahnsteig bemerkte ich, dass meine Handtasche weg war.
Der Brief war da drin.
- Wo war das? - Auf der Victoria Station.
Ich dachte, ich hätte sie im Restaurant vergessen.
Ich ging zurück, aber sie war weg.
Du hast sie nicht wieder gefunden?
Die Handtasche habe ich nach 2 Wochen zurückbekommen.
Vom Fundbüro. Aber der Brief war nicht mehr drin.
Nach einer weiteren Woche erhielt ich ein Schreiben.
Darin stand, was ich tun solle, um den Brief zurückzubekommen.
Ja. Weiter. Rede weiter.
Ich sollte £50 in £5-Noten von meinem Konto abheben
und in gebrauchte £1-Noten umtauschen.
Außerdem drohte man mir, dass, falls ich zur Polizei ginge,
der Brief in die Hände meines Mannes gelangen würde.
Hast du das Schreiben noch?
Alles in Druckbuchstaben. Daraus ist nichts zu ersehen.
2 Tage später bekam ich das hier.
Beide in Brixton abgestempelt.
"Schicken Sie das Geld in einem Päckchen
"an John S. King, Newport Street 23, Brixton SW 9.
"Dann erhalten Sie Ihren Brief zurück."
Das ist ein kleiner Laden. Viele Leute lassen dort ihre Post hinschicken.
- Du hast das Geld hingeschickt? - Ja. Aber der Brief kam nicht zurück.
Ich wartete 2 Wochen, dann ging ich hin.
Den Leuten dort war der Name unbekannt.
Das Päckchen war immer noch da. Ungeöffnet.
Das habe ich erwartet. Darf ich das behalten?
Wenn du möchtest.
- Wieso hast du mir nichts davon gesagt? - Du hättest nichts tun können.
Du hättest darauf bestanden, dass ich es Tony und der Polizei erzähle.
Es waren nur £50. Ich dachte, die bezahle ich, und dann ist es gut.
- Ich möchte heute Tony von uns erzählen. - Nein, Mark. Bitte nicht.
Du verstehst das nicht. Tony hat sich geändert. Bitte.
Ich wünschte, ich könnte die Zeit 1 Jahr zurückdrehen.
Wir waren in meiner Küche. Ich hätte fast gesagt: "Ich halte das nicht aus.
"Wir gehen zu Tony und erzählen ihm alles."
Ich glaube, damals wärst du meinem Wunsch gefolgt.
Ich sehe schon, das wird ein unerfreulicher Abend.
Man wird sich gegenseitig Liebenswürdigkeiten sagen.
Aber etwas hast du mir noch nicht erklärt.
Wieso hast du diesen Brief nicht auch verbrannt?
Da bist du ja. Wir dachten schon, du kommst überhaupt nicht mehr.
Was hast du gemacht?
Tut mir Leid. Gerade, als ich gehen wollte, kam der Chef.
Tony, das ist Mark Halliday.
- Hallo, Mark. - Hallo.
Tut mir Leid, dass ich so spät komme.
- Wie gefällt es Ihnen hier, Mark? - Gut. Sehr gut, Tony.
Sind Sie zum 1. Mal in London?
Nein. Vor 1 Jahr habe ich hier Urlaub gemacht.
Ja, richtig. Margot hat mir das erzählt.
- Sie schreiben fürs Radio, nicht wahr? - Nein, fürs Fernsehen. Noch schlimmer.
- Hast du einen Tisch reserviert, Liebling? - Ja. Für 7 Uhr.
- Dann komm... - Liebling, ich musste umdisponieren.
- Sag nicht, dass du nicht mitkommst. - Ich fürchte doch.
Der alte Burgess fliegt am Sonntag nach Brüssel.
Drum will er morgen meinen Monatsbericht haben.
- Kannst du das nicht hinterher machen? - Nein. Das dauert Stunden.
- Die Hälfte muss ich sowieso erfinden. - Aber...
Vielleicht triffst du uns nach dem Theater?
Ruf mich in der Pause an.
- Wenn es gut läuft, schaff ich's vielleicht. - Versuch es doch.
Ich hole meine Sachen, Mark.
- Hier sind die Karten. - Danke, Tony.
Sie müssen mich für sehr unhöflich halten.
- Nein. Aber es ist schade. - Sie müssen mal zum Essen herkommen.
- Aber gern. - Übrigens,
- was haben Sie morgen Abend vor? - Samstag? Bis jetzt noch nichts.
- Hätten Sie Lust auf einen Herrenabend? - Einen Herrenabend?
Ein paar Amerikaner waren zum Tennisspielen hier.
Wir geben ihnen ein Abschiedsessen.
Von Tennis verstehe ich nicht viel.
Das macht nichts. Dafür kennen Sie New York und so.
- Mark kommt morgen zu der Party. - Schön.
Dann sollten Sie vorher auf einen Drink hier vorbeischauen.
- Eine gute Idee. - Ja. Schön. Ich bestelle ein Taxi.
Ach, es gibt doch genügend leere.
- Auf Wiedersehen, Liebling. - Viel Spaß.
- Auf Wiedersehen, Tony. - Wiedersehen.
- Ach, Mark. - Ja?
Vielleicht können Sie ja die 3. Karte loswerden.
Ich werd's versuchen.
- Amüsiert euch gut. - Danke. Gute Nacht.
- Hallo. - Hallo. Hampstead 7899?
- Könnte ich Captain Lesgate sprechen? - Am Apparat.
Guten Abend. Sie kennen mich nicht. Mein Name ist Fisher.
- Sie wollen einen Wagen verkaufen? - Ja, einen amerikanischen.
Ja, ich habe ihn in Ihrer Werkstatt stehen sehen. Was soll er kosten?
- £1. 100. - £1.100? Ich verstehe.
Es ist genau das, was ich suche. Aber der Preis gefällt mir nicht.
Den fand ich auch zu hoch, als ich ihn gekauft habe.
Wann können wir uns treffen?
- Wie wär's mit morgen Nachmittag? - Das wird mir nicht möglich sein.
Wirklich nicht. Und am Sonntag fahre ich nach Liverpool.
Eigentlich hatte ich gehofft,
dass Sie heute Abend bei mir vorbeikommen könnten.
- Wo wohnen Sie denn? - Maida Vale.
Ich würde zu Ihnen kommen, aber ich habe mir das Knie verstaucht.
- Das tut mir Leid. Wo wohnen Sie? - Charrington Gardens 61-A.
- Harrington? - Nein, Charrington.
Ungefähr 2 Minuten von der U-Bahn-Station.
Ich bin in 1 Stunde da.
Das ist sehr nett von Ihnen. Werden Sie den Wagen mitbringen?
- Das kann ich leider nicht. - Egal. Ich habe ihn gründlich inspiziert.
Aber vielleicht bringen Sie gleich die Wagenpapiere mit.
Wir können die Angelegenheit sicher gleich erledigen,
vorausgesetzt, Sie gehen mit dem Preis runter.
- Ich fürchte, das ist ausgeschlossen. - Lassen Sie uns erst mal etwas trinken.
- Auf Wiederhören. - Auf Wiederhören.
- Mr. Fisher? - Ja. Captain Lesgate?
- Kommen Sie doch herein. - Danke.
Danke sehr.
Geben Sie mir Ihren Mantel.
- Haben Sie den Weg gleich gefunden? - Ja. Das war einfach.
Nehmen Sie Platz. Wie wär's mit einem Drink?
Mir ist, als würde ich Sie von irgendwoher kennen.
Komisch, dass Sie das sagen. Als ich die Tür öffnete, dachte ich...
Moment mal. Lesgate?
Ihr Name ist nicht Lesgate. Swann. C.J. Swann. Oder war es C.A.?
C.A. Sie haben ein besseres Gedächtnis als ich.
Fisher. Woher kennen wir uns?
- Waren Sie in Cambridge? - Ja.
Das muss 20 Jahre her sein. Sie erinnern sich nicht an mich.
- Als ich anfing, waren Sie fast fertig. - Was für ein Zufall.
Darauf müssen wir etwas Gutes trinken.
Ich wollte Ihnen eigentlich einen gewöhnlichen Portwein anbieten,
aber mal sehen, was ich sonst noch habe.
- Wie wär's damit? - Ausgezeichnet.
Woher wissen Sie, dass mein Wagen zum Verkauf steht?
- Von Ihrer Werkstatt. - Eigenartig. Ich hatte nichts davon gesagt.
Ich war dort zum Tanken und erkundigte mich nach einem amerikanischen Wagen.
Da gab man mir Ihre Telefonnummer. Er ist doch zu verkaufen, oder?
- Natürlich. - Gut. Aber über den Preis sprechen wir
erst nach dem 3. Glas.
Ich bin ein zäher Verhandlungspartner, egal ob angeheitert oder nüchtern.
Genau wie ich.
Ich glaube, ich habe Sie seit Cambridge doch irgendwo gesehen.
Waren Sie mal in Wimbledon?
Das ist es. Wendice. Tony Wendice.
- Wieso nennen Sie sich dann Fisher? - Und Sie sich Lesgate?
- Möchten Sie eine Zigarre? - Nein, danke.
- Ich bleibe bei meiner Pfeife. - Sie haben Ihre Gewohnheiten geändert.
Zu Collegezeiten
rauchten Sie immer sehr teure Zigarren.
Moment, ich glaube, ich habe hier irgendwo ein Bild von Ihnen.
Ja.
Ja. Das hier wurde bei einem Jahrgangstreffen aufgenommen.
Da sind Sie. Mit der längsten Zigarre der Welt.
Das ist das einzige Jahrgangstreffen, zu dem ich gegangen bin.
- Ich sehe aus wie ein Verbrecher. - Ja, in der Tat.
Natürlich erinnere ich mich auch an Sie wegen des College-Balls.
- Sie waren Kassenwart, stimmt's? - Ehrenamtlicher Kassenwart.
Ich habe diese schrecklichen Veranstaltungen immer organisiert.
Ja. Einmal wurde ein Teil des Eintrittsgeldes gestohlen, stimmt's?
Ja. Fast £100.
Ich hatte das Geld in einer Kassette im Zimmer. Am nächsten Tag war sie fort.
- Es war der College-Pförtner. - Ja. Der arme alte Alfred.
Er verlor alles beim Rennen.
Die Kassette wurde in seinem Garten gefunden.
Aber das Geld war weg.
Das ist jetzt 20 Jahre her.
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