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PROMETHEUS STAHL DEN GÖTTERN DAS FEUER
UND BRACHTE ES DEN MENSCHEN.
DAFÜR WURDE ER AN EINEN FELS GEKETTET
UND BIS IN ALLE EWIGKEIT GEFOLTERT.
Dr. Oppenheimer.
1. SPALTUNG
Dr. Oppenheimer.
Bevor wir beginnen, möchten Sie eine Erklärung verlesen?
Ja, Euer Ehren.
-Wir sind keine Richter. -Nein.
Natürlich.
Verehrter Sicherheitsausschuss,
die vermeintlich negativen Angaben in Ihrer Anklage gegen mich
sind nur im Kontext meines Lebens und meiner Arbeit richtig zu verstehen.
Wie lange hat er ausgesagt?
Das habe ich vergessen.
-Die gesamte Anhörung dauerte einen Monat. -Eine Tortur.
Ich kenne nur die Abschriften.
-Wer will sein Leben rechtfertigen? -Sie waren nicht dabei?
Als Vorsitzender durfte ich das nicht. Werden die wirklich danach fragen?
-Das ist Jahre her. -Vier.
Fünf.
Oppenheimer spaltet Amerika. Die wollen wissen, wo Sie standen.
Senator Thurmond sagt, Sie stehen nicht unter Anklage.
Dachte ich nicht, bis Sie das jetzt sagten.
-Wirklich, Mr. Strauss... -Admiral.
Admiral Strauss, das ist eine reine Formalität.
Eisenhower beruft Sie in sein Kabinett. Der Senat muss Sie bestätigen.
Und wenn die Oppenheimer erwähnen?
Antworten Sie ehrlich. Keiner kann bestreiten, dass Sie Ihre Pflicht taten.
Unangenehm wird's schon.
Wer will sein Leben rechtfertigen?
Wieso haben Sie die USA verlassen?
Ich... Ich wollte die neue Physik studieren.
War das hier nicht möglich?
Berkeley hat das beste Institut für theoretische Physik.
Nachdem ich es aufgebaut hatte.
Aber zuerst musste ich nach Europa. Ich studierte in Cambridge bei Blackett.
Waren Sie dort glücklicher als in Amerika?
-Glücklicher? -Ja.
Nein. Nein, ich...
Ich hatte Heimweh...
war emotional unreif...
geplagt von Visionen eines verborgenen Universums.
Nutzlos im Labor.
Herrgott, Oppenheimer.
Haben Sie nicht geschlafen?
Von vorn.
Ich muss zu dem Vortrag, Sir.
Wieso?
Niels Bohr spricht.
Hatte ich ganz vergessen.
Na dann! Gehen wir.
Oh nein, nicht Sie. Sie beschichten die Platten.
Hast du gesehen?
Mach sauber!
Quantenphysik ist nicht nur ein Schritt nach vorn,
sondern ein neuer Weg, die Wirklichkeit zu verstehen.
Einstein hat diese Tür geöffnet, wir spähen nun hindurch
und sehen eine Welt innerhalb der unseren.
Eine Welt der Energien und Paradoxe, die nicht jeder akzeptieren mag.
Ja, sicher... Alles in Ordnung?
Niels, das ist J. Robert Oppenheimer.
-Wofür steht das J? -Offenbar für gar nichts.
Bei meinem Vortrag hatten Sie die einzige gute Frage.
Scharfsinnig ist er wohl. Seine Laborarbeit lässt zu wünschen übrig.
-Ich hörte den Vortrag schon... -In Harvard. Da fragten Sie dasselbe.
-Wieso noch mal? -Ihre Antwort gefiel mir nicht.
-Wie gefiel sie Ihnen gestern? -Viel besser.
Oft hebt man den Stein an, ohne auf die Schlange darunter vorbereitet zu sein.
Nun sind Sie bereit. Aber Sie haben keine Freude am Labor?
Dann weg aus Cambridge mit seinen Messbechern.
Gehen Sie dahin, wo man Sie denken lässt.
Wohin?
Göttingen.
-Zu Born? -Zu Born.
Studieren Sie dort bei Max Born.
Lernen Sie, theoretisch zu denken.
Ich kündige Sie an.
Wurmloch...
-Gut im Rechnen? -Nicht gut genug für einen Physiker.
Algebra ist wie eine Partitur. Es geht nicht drum, Noten lesen zu können.
Sondern darum, die Musik zu hören. Können Sie sie hören, Robert?
Ja, durchaus.
Der Senator von Wyoming.
Admiral Strauss,
mich interessiert Ihr Verhältnis zu Dr. Oppenheimer.
Sie lernten ihn 1947 kennen?
Korrekt.
Als Vorsitzender der Atomenergiekommission?
Das war ich damals, aber ich traf Robert als Kuratoriumsmitglied
des Institute for Advanced Study in Princeton.
Denn nach dem Krieg war er weltbekannt, der große Mann der Physik,
und ich wollte ihn als Institutsleiter gewinnen.
Dr. Oppenheimer. Es ist mir eine Ehre.
-Mr. Strauss. -Aussprache wie "straws".
Egal wie man "Oppenheimer" ausspricht, jeder weiß, ich bin Jude.
Ich bin Präsident der Emanu-El-Gemeinde in Manhattan.
"Straws" ist die Südstaatenaussprache.
Willkommen im Institut. Sie werden sich hier wohlfühlen.
Schön kurzer Arbeitsweg.
Sie wohnen in diesem Haus mit Ihrer Frau...
und Ihren zwei Kindern?
Ja, zwei.
-Ich bin großer Bewunderer Ihrer Arbeit. -Und Sie sind studierter Physiker?
Hier unser Raum für die Teestunde.
Nein, ich habe gar nicht studiert. Ich bin ein Selfmademan.
-Das verstehe ich gut. -Ach ja?
Ja, mein Vater war auch einer.
Und das wäre dann Ihr Büro.
Er ist meist nachmittags dort.
Ich habe mich immer gefragt, wieso Sie ihn nicht ins Manhattan-Projekt geholt haben.
-Der größte Wissenschaftler unserer Zeit. -Seiner Zeit.
Einstein hat seine Relativitätstheorie vor mehr als 40 Jahren veröffentlicht.
-Aber die Quantenwelt war nie sein Ding. -"Gott würfelt nicht."
Ganz genau.
Sie wollten nie richtig Physik studieren?
Ich hätte gekonnt, verkaufte aber lieber Schuhe.
Lewis Strauss, einst kleiner Schuhverkäufer.
Nein, nur Schuhverkäufer.
-Ich mach Sie gern mit ihm bekannt. -Nicht nötig.
Ich kenne ihn seit Jahren.
Albert.
Was war das? Was haben Sie zu ihm gesagt?
Alles gut.
Es gibt Dinge in meiner Vergangenheit, von denen Sie wissen sollten.
Nun, als Vorsitzender der AEK kenne ich Ihre Sicherheitsakte.
-Das beunruhigt Sie nicht? -Nein.
Warum sollte es das, bei all Ihren Verdiensten?
Die Zeiten ändern sich.
Dieses Institut bietet unabhängigen Denkern einen Zufluchtsort.
Und so einer sind Sie. Sie sind der Richtige für uns.
Nun, ich denke darüber nach.
Bis zur AEK-Sitzung morgen.
Dies ist eine der renommiertesten Stellen.
Ja, mit einem kurzen Arbeitsweg.
Deshalb denke ich auch darüber nach.
Er machte Sie auf seine Vergangenheit aufmerksam, bevor Sie ihn ernannt hatten?
-Ja. -Und das hat Sie nicht beunruhigt?
Ich war ganz damit beschäftigt, was er zu Einstein gesagt hatte,
um ihn so zu verärgern.
-Und später? -Wir alle wissen, was später passiert ist.
Während Ihrer Zeit in Europa
trafen Sie zahlreiche Physiker aus anderen Ländern?
Ja, ganz recht.
Auch Russen?
Nicht, dass ich wüsste. Wenn ich nun mit meiner Erklärung...
Mr. Robb, Sie bekommen noch Gelegenheit zum Kreuzverhör.
Nach Göttingen ging ich nach Leiden in Holland,
wo ich Isidor Rabi begegnete.
Verzeihung.
Ein Yankee, der neue Physik lehrt? Das muss ich hören.
Ich bin selbst Amerikaner.
Was Sie nicht sagen.
Ich helfe Ihnen gern mit dem Englisch.
Wie? Was sagt er?
-Nein, danke. -Ist 'ne lange Reise nach Zürich.
So dünn wie Sie sind, rutschen Sie noch zwischen die Sitze.
Ich bin Rabi.
Oppenheimer.
Hab Ihren Vortrag über Moleküle gehört. Allerdings kaum was verstanden.
Wir New Yorker Juden können kein Holländisch.
Ich dachte, ich lern's besser, als ich herkam.
Und sechs Wochen später sprechen Sie über Quantenmechanik?
-Eine Herausforderung. -Quantenphysik allein hat nicht gereicht?
- Schvitzer . - Schvitzer?
"Angeber".
-Nie Jiddisch gelernt? -Unüblich auf meiner Seite des Parks.
Sie mich auch.
-Haben Sie Heimweh? -Oh, und wie!
Unsereins ist hier wohl nicht sehr willkommen, was?
Physiker?
-Sehr witzig. -Im Institut ist das anders.
Auch alles Juden.
Essen Sie.
Es gibt da einen Deutschen, den Sie treffen müssen.
-Heisenberg. -Genau.
Man könnte zur Annahme gelangen, hinter der Quantenwelt
verberge sich noch eine reale Welt, wo Kausalität herrscht,
doch solche Spekulationen erscheinen uns ausgesprochen fruchtlos. Danke.
Schönen Tag.
-Wundervoll. -Danke.
Dr. Oppenheimer.
Oppenheimer, ja. Ich mochte Ihre Abhandlung über Moleküle.
-Sie inspirierten mich dazu. -Dann sollten wir gemeinsam publizieren.
-Ich muss zurück nach Amerika. -Weshalb?
Niemand dort nimmt die Quantenphysik ernst.
Genau deshalb.
Er sehnt sich nach den Canyons von Manhattan.
-Den Canyons von New Mexico. -Sie sind aus New Mexico?
Aus New York. Aber mein Bruder und ich haben eine Ranch bei Santa Fe.
-Und dieses Amerika fehlt mir. -Dann ab nach Hause, Cowboys.
Er ist so einer. Nein, ich und Pferde? Eher nicht.
Hat mich gefreut.
Sind Sie Heisenberg je wiederbegegnet?
Nicht persönlich. Nein, aber...
unsere Wege haben sich gewissermaßen gekreuzt.
Wieder in Amerika arbeitete ich an der Caltech und in Berkeley.
Ich mach das, schon gut.
Dr. Lawrence, nehme ich an?
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